Die Arbeitspakete des Fraunhofer IWM:
Das Fraunhofer IWM führt atomistische Berechnungen auf Basis der Dichtefunktionaltheorie (DFT) durch, um Phasenstabilitäten in den Hochentropie-/Komplexlegierungssystemen vorherzusagen – einschließlich des Einflusses von Wasserstoff auf die Phasenbildung. Parallel werden thermodynamische Simulationen (CALPHAD) mit systematischer Elementvariation durchgeführt, um den riesigen Kompositionsraum der HEA/CCA effizient einzugrenzen und Schmelzintervalle sowie Wärmebehandlungsparameter zu berechnen. Aus diesen Ergebnissen leitet das IWM gezielt Legierungszusammensetzungen für das experimentelle High-Throughput-Screening (gemeinsam mit IWS) ab. Die besondere Stärke des IWM liegt dabei in der automatisierten, kombinatorischen Hochdurchsatz-Methodik. Daraus entsteht das Materialdesigntool – ein auf Streamlit basierendes Web-Tool, das Simulationsdaten, experimentelle Material- und Prozessdaten sowie ML-gestützte Vorhersagen (z. B. zur chemischen Zusammensetzung auf Basis der Drahtzufuhr, zur Phasenbildung und zu Werkstoffeigenschaften) anschaulich aufbereitet und für alle Partner nutzbar macht.
Das Fraunhofer IWM übernimmt die strukturelle und mechanische Charakterisierung aller erzeugten Schichten und Schweißverbindungen. Dies umfasst Mikrostrukturanalysen (REM/EDX/EBSD, XRD), erweiterte Beugungsmethoden (STRAP) sowie Paarverteilungsfunktions-Analysen (PDF) zur Aufklärung der lokalen atomaren Ordnung in den komplexen Legierungen. Ein zentraler Beitrag liegt in der Werkstoffprüfung in Wasserstoffatmosphären: Mit einer am IWM entwickelten Mikrozugapparatur können lokale mechanische Kennwerte einzelner Schweißnahtzonen auch unter Wasserstoff-Druck ermittelt werden. Die Prüftechnik wird im Projekt gezielt auf Mischgase (Wasserstoff mit verschiedenen Beimischungen), erhöhte Temperaturen und vorbeladene Proben erweitert.
Das Fraunhofer IWM prüft die geschweißten Druckspeicherkomponenten unter einsatznahen Bedingungen (mechanische Belastung in Wasserstoff-Atmosphäre, Korrosion) und baut eine tribologische Prüfkette für die Ventilpanzerungen auf, um deren Verschleißverhalten unter Wasserstoffangebot zu bewerten. Zudem erarbeitet das Fraunhofer IWM ein Bewertungskonzept für Schweißnähte in H₂: Aufbauend auf fraktographischen Untersuchungen werden bestehende Auslegungskonzepte (FAT-Klassen nach IIW-Richtlinie, FKM-Richtlinie) erstmals auf in Wasserstoff getestete Proben angewandt und Konzepte zur Erweiterung dieser Richtlinien entwickelt.