Funktionalität von Halbleitern (TCO, Solarmaterialien)

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Werkstofftechnologische Herausforderungen, die wir mit fundiertem Mechanismenverständnis, Multiskalen-Simulation und atomistischen Berechnungen angehen:

  • Die Kombination aus Transparenz und elektrischer Leitfähigkeit bei der Entwicklung von Transparent Conductive Oxides (TCOs), die z. B. in Displays, Solarzellen und LEDs verwendet werden, erfordert, ein Gleichgewicht zwischen genügend freien Ladungsträgern (für Leitfähigkeit) und möglichst wenig Absorption im sichtbaren Bereich. Die Leitfähigkeit erfordert freie Ladungsträger (Elektronen oder Löcher), die jedoch oft Licht absorbieren – vor allem im sichtbaren Bereich. Transparenz erfordert eine große Bandlücke (>3 eV), wodurch aber die Zahl an freien Ladungsträgern gering bleibt.
  • Um die oft intrinsisch schlechte Leitfähigkeit von Oxiden wie ZnO oder SnO₂ zu verbessern, werden zusätzliche Ladungsträger durch gezielte Dotierung (z. B. mit Al, In, Ga) eingebracht. Dabei muss aber der begrenzten Löslichkeit von Dotierelementen im Wirtsgitter, der Bildung von Sekundärphasen oder Gitterverzerrungen Rechnung getragen werden.
  • Die Leitfähigkeit hängt stark von der Kristallstruktur ab (z. B. Koordinationsumgebung der Ionen, Überlappung der Orbitale). Oxide mit s-orbital-basierten Leitungsbändern (z. B. Sn⁴⁺, In³⁺) bieten bessere Leitfähigkeit – aber nicht alle Oxide haben diese Struktur und müssen daher bewertet werden.
  • Bei der Herstellung von Dünnfilmen durch Verfahren wie Sputtern, CVD, ALD oder Sol-Gel müssen Schichtdicke, Homogenität, Defektdichte beherrscht und eingestellt werden, denn sie beeinflussen Kristallinität, Defekte, Dichte und damit die optisch-elektrischen Eigenschaften.

Um diese Herausforderungen mit Ihnen gemeinsam anzugehen, berechnen wir die Eigenschaften Ihrer Materialsysteme und entwickeln die geeigneten Simulationsmethoden dafür. Unser Anspruch ist ein fundiertes Mechanismenverständnis mit vertretbarem Rechenaufwand zu schaffen. Damit eröffnen wir für Sie neue Spielräume für das Materialdesign.

Referenzprojekte

Von Mottenaugen inspiriert: Optikdesign für die Hochleistungslaser von morgen, nanoAR

Im Projekt nanoAR arbeiten neun Partner aus Forschung und Industrie an der nächsten Generation optischer Komponenten für die Laserträgheitsfusion – einem vielversprechenden Ansatz für die Energieversorgung der Zukunft. Um die dabei eingesetzten Hochleistungslaser effizient zu nutzen, braucht es optische Materialien, die extremen Strahlungsbelastungen und thermischen Spannungen standhalten – ohne dabei an Präzision zu verlieren. Im Projekt werden hierfür poröse, nanostrukturierte Entspiegelungsschichten auf Materialien mit großer Bandlücke wie Quarzglas und Calciumfluorid entwickelt. Neben der Lichtdurchlässigkeit steht auch die strukturelle Stabilität im Fokus: Neuartige Ätztechnologien wie Reactive Ion Etching (RIE) und Reactive Ion Beam Etching (RIBE) ermöglichen erstmals eine präzise Strukturierung selbst auf stark gekrümmten Linsenoberflächen. Begleitend untersucht das Fraunhofer IWM mithilfe molekulardynamischer Simulationen und DFT-Analysen, wie thermisch induzierte Defekte gezielt »ausgeheilt« werden können. So schafft nanoAR die Voraussetzungen für langlebige, maßgeschneiderte Optiken, die zentrale Komponenten in künftigen Fusionskraftwerken bilden könnten.

 

Projektprofil: nanoAR: Entspiegelnde Metalloberflächen auf Materialien mit großer Bandlücke - Fraunhofer IWM

Mit Oxiden zu flexibler, transparenter und nachhaltiger Elektronik, ORAMA

Das EU-Forschungsprojekt ORAMA hat den Weg für eine neue Generation elektronischer Materialien geebnet: transparente, leistungsstarke, multifunktionale innovative Oxide. Von der digitalen Materialmodellierung über schonende Fertigungsverfahren bis hin zur Integration in zukunftsweisende Gerätetechnologien – ORAMA kombiniert interdisziplinäre Spitzenforschung mit echtem Anwendungspotenzial. Die Vision: Eine nachhaltige Elektronikindustrie »Made in Europe«, die flexibel, ressourcenschonend und bereit für die Herausforderungen von morgen ist.

 

Projektprofil: ORAMA: Oxide für die flexible und transparente Elektronik - Fraunhofer IWM

 

Publikationen

Enhancing the optoelectronic properties of amorphous zinc tin oxide by subgap defect passivation: A theoretical and experimental demonstration, E. Rucavado, Q. Jeangros, D. F. Urban, et al., Phys. Rev. B 95, 245204 (2017) Link

Mechanisms for p-type behavior of ZnO, Zn1−xMgxO, and related oxide semiconductors, D. F. Urban, W. Körner, C. Elsässer, Phys. Rev. B 94 075140 (2016) Link

Generic origin of subgap states in transparent amorphous semiconductor oxides illustrated for the cases of In-Zn-O and In-Sn-O,  W. Körner, D. F. Urban, C. Elsässer,  Phys. Status Solidi A 212, 1476–1481 (2015) Link

Prediction of subgap states in Zn- and Sn-based oxides using various exchange-correlation functionals,  W. Körner, D. F. Urban, D. Munoz Ramo, P. D. Bristowe, C. Elsässer, Physical Review B 90, 195142 (2014) Link

Körner, W.; Elsässer, C.; Density-functional theory study of stability and subgap states of crystalline and amorphous Zn-Sn-O; Thin Solid Films 555 (2014) 81-86 Link

Körner, W.; Elsässer, C.; Eigenschaften amorpher transparenter leitfähiger Oxide (a-TCOs); Vakuum in Forschung und Praxis 25/3 (2013) 32-37 Link

Körner, W.; Urban, D.F.; Elsässer, C.; Origin of subgap states in amorphous In-Ga-Zn-O; Journal of Applied Physics (IAP) 114/16 (2013) 163704 1-6 Link

Körner, W., Elsässer C.; First-principles density functional study of dopant elements at grain boundaries in ZnO, Physical Review B 81/8 (2010) 085324:1-12 Link

Materialien für nachhaltige Tandemsolarzellen mit höchster Umwandlungseffizienz, MaNiTU

Der Wirkungsgrad von Siliziumsolarzellen lässt sich nicht mehr beliebig steigern. Die physikalischen Grenzen können mit Tandemsolarzellen überwunden werden. Mit ihnen sind Wirkungsgrade über 35 % möglich. Tandemsolarzellen stehen deshalb im Fokus der aktuellen Solarzellenforschung. Hier hat das Fraunhofer-Leitprojekt MaNiTU angesetzt und höchsteffiziente und kostengünstige Tandemsolarzellen auf Basis von Perowskit-Absorbermaterialien in Kombination mit Silicium entwickelt.

Durch die enge Verzahnung von theoretischer Modellierung und experimentellen Arbeiten zu Absorber und Kontaktschichten war es möglich, im Rahmen des Projekts Grenzflächeneffekte zu verstehen und gezielt für gewünschte Funktionalitäten einzusetzen. Am Ende des Projektes konnten Stabilität und hohe Wirkungsgrade auf Modulebene demonstriert werden. 

 

Projektprofil: Materialien für nachhaltige Tandemsolarzellen mit höchster Umwandlungseffizienz - Fraunhofer IWM

 

Publikationen

The Electronic Structure of Cs2AgBiBr at Room Temperature,  Julian Gebhardt and  Christian Elsaesser, Physica Status Solidi B - Basic Solid State Physics 259, 2200124 (2022) Link

DFT with corrections for an efficient and accurate description of strong electron correlations in NiO,  Julian Gebhardt and  Christian Elsaesser, Journal Of Physics - Condensed Matter 35, 205901 (2023) Link

Efficient Modeling Workflow for Accurate Electronic Structures of Hybrid Perovskites,  Julian Gebhardt, Wei Wei, and  Christian Elsaesser, Journal Of Physical Chemistry C 125, p. 18597-18603 (2021) Link

Electronic Bulk and Surface Properties of Titanium Dioxide Studied by DFT-1/2,  Amirhossein Bayani, Julian Gebhardt, and  Christian Elsaesser, Langmuir 39, p. 14922-14934 (2023) Link

Screening for sustainable and lead-free perovskite halide absorbers,  Julian Gebhardt, Andrea Gassmann, Wei Wei, Anke Weidenkaff, and  Christian Elsaesser, Materials & Design 240, 112838 (2024) Link

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