Wasserstoff- und korrosionsbeständige Stähle

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Werkstofftechnologische Herausforderungen, die wir mit fundiertem Mechanismenverständnis, Multiskalen-Simulation und atomistischen Berechnungen angehen:

  • Wasserstoffversprödung (Hydrogen Embrittlement): Wasserstoff kann in Stahl eindringen (z. B. durch elektrochemische Prozesse, Schweißnähte oder Kontakt mit H₂-Gas). Im Stahl lagert sich Wasserstoff an Fehlstellen oder Korngrenzen an, was die Duktilität und Zähigkeit drastisch reduzieren und zu Sprödbruch führen kann. Schutzschichten, Legierungselemente oder mikrostrukturelle Barrieren müssen entwickelt werden, um die Wasserstoffdiffusion zu vermeiden.
  • Mikrostrukturdesign: Mikrostrukturen (z. B. Martensit, Bainit, Austenit) haben unterschiedliche Empfindlichkeiten gegenüber Wasserstoff und Korrosion. Oft sind Eigenschaften, die Korrosionsbeständigkeit fördern, nachteilig für die Wasserstoffresistenz – und umgekehrt. Benötigt werden feinkörnige, homogen verteilte Phasen, die Wasserstoffrisse hemmen. Austenitische Gefüge sind zäher, aber teurer und schwerer herzustellen. Zudem gilt es schädliche Ausscheidungen zu vermeiden, z. B. Karbide oder Sigma-Phasen, die die Korngrenzen schwächen.
  • Legierungsentwicklung mit minimalem Anteil teurer Elemente: Hochlegierte Stähle mit exzellenter Beständigkeit (z. B. Superduplex- oder hoch-nickelhaltige Stähle) sind sehr teuer. Der Einsatz von z. B. Nickel, Molybdän, Vanadium verbessert die Eigenschaften, ist aber kostenintensiv und teilweise rohstoffkritisch.

Um diese Herausforderungen mit Ihnen gemeinsam anzugehen, berechnen wir die Eigenschaften Ihrer Materialsysteme und entwickeln die geeigneten Simulationsmethoden dafür. Unser Anspruch ist ein fundiertes Mechanismenverständnis mit vertretbarem Rechenaufwand zu schaffen. Damit eröffnen wir für Sie neue Spielräume für das Materialdesign.

Referenzprojekte

Werkstoffentwicklung für höhere Effizienz und Lebensdauer in Dampfkraftwerken, Z-Ultra

Wie lassen sich Kraftwerke effizienter und langlebiger gestalten? Das EU-Projekt Z-Ultra liefert eine Antwort – mit neu entwickelten 12%-Chrom-Stählen, die bis zu 30 % fester sind als herkömmliche 9%-Chromstähle. Dank nanoskaliger Z-Phasen-Ausscheidungen bieten sie hervorragende Hochtemperaturbeständigkeit, Kriechfestigkeit und Oxidationsbeständigkeit für den Einsatz in ultra-superkritischen Dampfkraftwerken. Die Ergebnisse eröffnen neue Möglichkeiten zur Energieeffizienz und CO₂-Reduktion in der Kraftwerkstechnik.

 

Projektprofil: Z-Ultra Stahlentwicklung: Z-Phasen-verstärkte Stählen für superkritische Dampfkraftwerken - Fraunhofer IWM

 

Publikationen

Atomic defects and dopants in ternary Z-phase transition-metal nitrides CrMN with M=V, Nb, Ta investigated with density functional theory,  D.F.Urban and C. Elsässer, Phys. Rev. B 96, 104107 (2017) Link

 

Entwicklung von Werkstoffkonzepten und in situ Legierungsmethoden zum Fügen und Beschichten von Komponenten für die Verbrennung, Speicherung und den Transport von wasserstoffbasierten Energieträgern, EWIG

Wasserstoff ist der Schlüssel zur Energiewende – doch die Werkstoffe für Transport, Speicherung und Verbrennung stoßen an ihre Grenzen: Schweißnähte in Druckspeichern verspröden, Motorventile korrodieren und verschleißen unter H₂-Verbrennung schneller. EWIG entwickelt dafür ein neues Konzept: Mittels in situ Legierungsbildung aus bis zu vier handelsüblichen Drähten werden Hochentropie- und Komplexlegierungen (HEA/CCA) direkt beim Schweißen und Beschichten erzeugt – ohne Sonderwerkstoffe vorproduzieren zu müssen. Ein begleitendes digitales Materialdesigntool verknüpft atomistische Simulation, thermodynamische Modellierung und experimentelle Daten und verkürzt die Legierungsentwicklung von Jahren auf Monate. 

 

Projektprofil: Entwicklung von Werkstoffkonzepten und in situ Legierungsmethoden zum Fügen und Beschichten von Komponenten für die Verbrennung, Speicherung und den Transport von wasserstoffbasierten Energieträgern - Fraunhofer IWM

Hoch(warm)feste Aluminiumlegierungen für das Urformen im Leichtbau, HAlUr

Für urformende Verfahren wie Gießen und Additive Fertigung fehlen hochfeste Legierungen, die mit Knetlegierungen konkurrieren können. Im Projekt HAlUr wurden neue Aluminiumlegierungen auf Basis der Systeme Al-Co, Al-Ni und Al-Ca, die Festigkeiten von bis zu 500 MPa bei Raumtemperatur und 150 MPa bei 300 °C erreichen, entwickelt. Durch eine innovative Kombination aus atomistischer Simulation, thermodynamischer Modellierung und experimentellem Rapid Alloy Development (RAD) mittels Laserauftragsschweißen wurde die Legierungsentwicklung drastisch beschleunigt. 

 

Projektprofil: Hoch(warm)feste Aluminiumlegierungen für das Urformen im Leichtbau - Fraunhofer IWM

Skalenübergreifende mikrostrukturabhängige Bewertung der interkristallinen Rissbildung bei Hochtemperaturermüdung mit Haltezeiten von polykristallinen Superlegierungen, MMMCrack

Hochtemperaturkomponenten wie Turbinenscheiben in Flugzeugtriebwerken und Gasturbinen versagen häufig durch spröde interkristalline Rissbildung. Im Projekt wurde ein skalenübergreifender Modellierungsansatz entwickelt, der atomistische Simulationen (DFT/MD), Finite-Elemente-Modellierung und Diffusionsberechnungen vereint, um die sauerstoffgetriebene Korngrenzversprödung in der Nickelbasis-Superlegierung Alloy 718 vorherzusagen. Durch die Verknüpfung von Mikrostrukturinformationen mit Korngrenz-Kohäsionseigenschaften liegt ein neuartiges Werkzeug zur gezielten Optimierung von Werkstoffen und Prozessen vor. Industriepartner profitieren von präziseren Lebensdauervorhersagen und einem tieferen Verständnis der Schadenmechanismen.

 

Projektprofil: Skalenübergreifende mikrostrukturabhängige Bewertung der interkristallinen Rissbildung bei Hochtemperaturermüdung mit Haltezeiten von polykristallinen Superlegierungen - Fraunhofer IWM

Publikationen Wasserstoff- und korrosionsbeständige Stähle

Theoretical study of temperature dependencies in HELP- and  HEDE-based damage models on the fatigue behavior of ferritic steel by hydrogen,  Alexandra Stark, Petra Sonnweber-Ribic, and  ChristianElsasser, Modelling And Simulation In Materials Science And Engineering 34, 35004 (2026) Link

Theoretical study of individual and combined effects of HELP- and HEDE-based damage models on the fatigue behavior of ferritic steel by hydrogen,  Alexandra Stark, Petra Sonnweber-Ribic, and  Christian Elsaesser, International Journal Of Hydrogen Energy 109, p. 27-39  (2025) Link 

Influence of Impurity Atoms on Hydrogen Diffusion into Ruthenium,  Julian Gebhardt and  Daniel F. Urban, Journal Of Physical Chemistry C 126, p. 19895-19903 (2022) Link

First-principles investigation of hydrogen trapping and diffusion at grain boundaries in nickel,  Davide DiStefano, Matous Mrovec, and  Christian Elsaesser, Acta Materialia 98, p. 306-312 (2015) Link

First-principles investigation of hydrogen interaction with TiC precipitates in α-Fe,  Davide DiStefano, Roman Nazarov, Tilmann Hickel, Joerg Neugebauer, Matous Mrovec, and  Christian Elsaesser, Physical Review B 93, 184108 (2016) Link

First-principles investigation of quantum mechanical effects on the diffusion of hydrogen in iron and nickel,  Davide DiStefano, Matous Mrovec, and  Christian Elsaesser, Physical Review B 92, 224301 (2015) Link

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