Elektrochemische Prozesse auf atomarer und mikrostruktureller Skala bestimmen Energiedichte, Ladegeschwindigkeit, Lebensdauer und Sicherheit von Batterien. Mit fundiertem Mechanismenverständnis, Multiskalen-Simulation und atomistischen Berechnungen zielen wir auf die Aufklärung, Modellierung und Steuerung dieser Prozesse. Die werkstofftechnologischen Herausforderungen, die wir dabei im Fokus haben, sind:
Erhöhung der Energiedichte durch verbesserte Kathoden und Anodenmaterialien
- Spannungseinbrüche und instabile Zyklisierung bei hochkapazitive Kathoden wie Li-rich Layered Oxides (z. B. Li₁.₂Ni₀.₁₃Co₀.₁₃Mn₀.₅₄O₂) zeigen oft.
- Mechanische und elektrochemische Instabilität durch Expansion von Silizium-Anoden mit hoher Kapazität (~3500 mAh/g), beim Lithieren um bis zu 300 %.
- Dendritenbildung und Reaktivität von Lithium-Metall-Anoden mit maximaler Energiedichte.
Beherrschung von Nebenreaktionen und Degradation bei gesteigerter Ladegeschwindigkeit
- Verlust an reversibler Kapazität und Sicherheitsrisiken (Kurzschluss) bei Lithium-Plating an der Anode.
- Limitierte Ladegeschwindigkeit beim Ionen-Transport durch die Elektrolyte und die Grenzflächen (SEI, CEI).
- Zunahme von Polarisationseffekten (Überspannungen) bei schnellem Laden.
Reduktion von Kapazitätsverlusten und Erhöhung der Lebensdauer (Zyklenstabilität)
- Instabile Grenzflächen durch Wachstum der SEI-Schicht (Solid Electrolyte Interface) auf der Anode und des Verbrauchs an Lithium und Elektrolyt.
- Bei Hochvoltmaterialien kommt es zu strukturellen Veränderungen und der Freisetzung von Übergangsmetallionen in den Elektrolythen (Kathoden-Degradation)
- Insbesondere bei Hochvolt-Zellen (>4.3 V) zersetzen sich klassische Carbonat-basierte Elektrolyte.
Erhöhung der Sicherheit
- Instabilität von Elektrolyten bei hohen Temperaturen oder Spannungen kann zur Bildung brennbarer Gase führen.
- Lithium-Dendriten bei Metall-Anoden oder beim Plating steigert die Kurzschlussgefahr.
- Sauerstofffreisetzung aus instabilen Kathodenmaterialien (z. B. NMC mit hohem Nickelanteil) kann exotherme Reaktionen verursachen.
Fraunhofer-Institut für Werkstoffmechanik IWM