Projektbeschreibung
Eine Vielzahl mechanischer Lager wird mit Schmierstoffen versorgt, um die Reibung und den Verschleiß zu reduzieren. Traditionell wurden Schmiermittel nur bei turnusmäßigen Wartungen überprüft. Das Lube.Life-Projekt hat ein Sensorsystem entwickelt, das die kontinuierliche Echtzeitüberwachung von Schmierstoffen in tribologischen Systemen wie Lagern, Getrieben und Dichtungen ermöglicht und Abriebpartikel detektiert und analysiert.
Innerhalb Lube.Life wurde erforscht, ob eine Sensorierung der tribologischen Kontakte und des Schmierstoffs (z.B. mittels eines miniaturisierten Reibungssensors, IR-Spektroskopie oder akustischen Verhaltens) in Verbindung mit Auswerteelektronik und Maschinellen Lernmethoden eine Echtzeit-Analyse der Schmierstoffe erlaubt und Schlüsse auf deren Zusammensetzung zulässt. Die gesammelten Daten wurden in einem virtuellen Schmierstofflabor verarbeitet, das auf Basis der Sensorinformationen und prädiktiven Algorithmen wurde die Stabilität des Schmierstoffs bewertet und Prognosen über die Notwendigkeit von Wartungsmaßnahmen abgeleitet. Potenzielle Maßnahmen reichen von einfachen Benachrichtigungen über Wartungsaufträge bis hin zur automatisierten Nachdosierung von Additiven, um den Schmierstoff zu stabilisieren und die Lebensdauer der Komponenten zu verlängern.
Besonderes Augenmerk galt im Projekt auch der Wechselwirkung von Schmierstoffen mit elektrischen Feldern, die in Anwendungen wie Windkraftanlagen und Elektrofahrzeugen eine Rolle spielen. Diese Felder können die Additive im Schmierstoff destabilisieren, was zu Degradation und im schlimmsten Fall zu Bauteilschäden führen kann. Durch den Einsatz des virtuellen Schmierstofflabors können Auswirkungen von elektrischen Feldern auf die Schmierstoffstabilität vorhergesagt und neue, stabilere Schmierstoffe entwickelt werden.
Zukünftige Anwendungen des Systems sind neben Windkraftanlagen auch in Industrieanlagen und Kraftwerken möglich, wo durch die Echtzeitüberwachung Wartungsintervalle flexibler gestaltet und optimiert werden können. Diese Innovationen bieten eine nachhaltigere und effizientere Wartung sowie eine erhöhte Lebensdauer der Anlagen, insbesondere in schwer zugänglichen Bereichen oder bei witterungsbedingten Herausforderungen wie beispielsweise bei Windkraftanlagen.