Projektbeschreibung
Die Verwendung von Wasserstoff als Energieträger der Zukunft erfordert widerstandsfähige und langlebige Strukturwerkstoffe, insbesondere für die Speicherung und den Transport von Wasserstoffgas. Viele Metallwerkstoffe sind jedoch anfällig für Wasserstoffversprödung, was die Integrität und Lebensdauer von Bauteilen drastisch verringern kann. Aktuell müssen Komponenten für den Einsatz unter Druckwasserstoff deshalb entweder sehr konservativ entworfen oder zeitaufwändigen und kostspieligen mechanischen Ermüdungs- und Bruchtests unterzogen werden.
HyLife ist ein gemeinsames Projekt des National Institute of Standards and Technology (NIST) und des Fraunhofer IWM. Es zielt auf die Entwicklung von weniger konservativen Entwurfsrichtlinien für Komponenten, die unter Druckwasserstoff betrieben werden. Dazu werden zwei Ansätze verfolgt:
1. Untersuchungen an Mikroproben: Mikroproben werden genutzt, um detaillierte bruchmechanische Materialkenndaten aus verschiedenen Bereichen um Schweißverbindungen, insbesondere der Wärmeeinflusszone in Stahlproben, zu erfassen. Ziel ist es, eine Kombination von Mikroproben-Experimenten zu identifizieren, mit der die Leistungsfähigkeit von Schweißverbindungen in Stählen unter Wasserstoffeinfluss zuverlässig beurteilbar wird. Ein zentraler Bestandteil des Projekts ist ein neues Messsystem, das die bisher schwer zugängliche Kohäsion an Korngrenzen im Gefüge kartiert, um den Zustand des Materials in Wasserstoff zu bewerten.
2. Physik-basiertes Lebensdauerprognosemodell: Es wird ein Modell entwickelt, das zuverlässige Lebensdauerprognosen auf Basis der Mikrostruktur des Materials und einiger physikalischer Materialkennwerte ermöglicht. Dieses Modell wird dazu beitragen, kostspielige bruchmechanische Tests einzusparen und neue Materialien mit Mikrostrukturen, die auf Wasserstoffbeständigkeit optimiert sind, zu entwickeln.
Ausgehend von den Projektergebnissen werden das NIST und das Fraunhofer IWM die bestehenden Normen ASME B31.12 und ISO 11114-4 für Werkstoffe in Wasserstoff aktualisieren, womit erhebliche Kosteneinsparungen für die Industrie erwartet werden. Zudem wird eine Datenbank für kommerziell relevante Materialkenndaten aufgebaut, die eine leicht zugängliche Quelle für Ermüdungsdaten werden soll. Kooperationen mit der Industrie stellen sicher, dass die Daten und Modelle für Werkstoffe im Kontakt mit Wasserstoff den realen Anforderungen entsprechen.