Europäisches Projekt RAISELIFE zur Steigerung der Lebensdauer solarthermischer Kraftwerke

25.8.2016

Qualität und Leistungsfähigkeit funktionaler Materialien haben in solarthermischen Kraftwerken einen großen Einfluss auf die Kosten der Energieproduktion. Elf europäische Partner – Forschungseinrichtungen, Hochschulen und Industrieunternehmen – arbeiten in den nächsten vier Jahren zusammen mit dem marokkanischen Forschungsinstitut MASCIR und dem israelischen Unternehmen BrightSource daran, die Lebensdauer von Schlüsselmaterialien zu verbessern, die in solarthermischen Kraftwerken zum Einsatz kommen. Damit sollen die Kosten der Produktion von Wärme oder Elektrizität gesenkt werden.

© Foto DLR

Durch eine Verlängerung der Lebensdauer der Kraftwerkskomponenten, wie zum Beispiel der Heliostatbeschichtungen, können die Kosten für Strom aus solarthermischen Kraftwerken sinken. Das vom europäischen Horizon2020 Forschungs- und Innovationsprogramm geförderte Projekt RAISELIFE wird die Lebensdauer von Schlüsselmaterialien untersuchen und Empfehlungen für Verbesserungen erarbeiten.

Das Projekt RAISELIFE (Raising the Lifetime of Functional Materials for Concentrated Solar Power Technology) zielt darauf ab, die Nutzungsdauer der Materialien von fünf Schlüsselkomponenten solarthermischer Kraftwerke zu erhöhen:
1) Schmutzabweisende Schichten von Silberglas-Reflektoren
2) Hochreflektierende Oberflächen der Solarreflektoren
3) Hochtemperatur-Sekundärreflektoren
4) Receiver-Beschichtungen für Solartürme und linienfokussierende Kollektoren
5) Korrosionsbeständige Hochtemperatur-Metalle und -Beschichtungen für Anwendungen im Dampf- oder Flüssigsalzkontakt.

Das Projekt mit einem Gesamtbudget von 10,5 Millionen Euro wird von der Europäischen Kommission mit 9,3 Millionen gefördert. Dr. Florian Sutter vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) leitet das Projekt. Neben den europäischen Partnern aus Deutschland (DLR, Fraunhofer, DECHEMA und Flabeg), Spanien (CIEMAT, Universidad Complutense de Madrid und INTA), Frankreich (PROMES, Corning und Vallourec) und Italien (Soltigua), enthält das Konsortium zwei Partner aus den assoziierten Ländern Israel (BrightSource Industries) und Marokko (MASCIR). Durch diese besteht ein direkter Zugang zu solarthermischen Anlagen für Tests und Felduntersuchungen. Die Partnerkonstellation erlaubt einen direkten Transfer der Projektergebnisse in neue kommerzielle Anlagen in weniger als fünf Jahren und trägt dazu bei, die dringendsten Herausforderungen kommerzieller solarthermischer Kraftwerke anzugehen: die Hochtemperaturoxidation der Absorberbeschichtungen der metallischen Receiver oder die Reflektordegradation.

© Foto Brightsource

Korrosion schädigt die absorbierende Beschichtung der Receiverstahlrohre eines Solarturms.

Die fünf Materialsysteme, die Gegenstand der Forschungen im RAISELIFE-Projekt sind, werden unter beschleunigten Alterungsbedingungen in Klimakammern unter relevanten Umgebungsbedingungen untersucht. Außerdem werden sie in beschleunigten Freiflächenversuchen unter erhöhter Solareinstrahlung und direkt im Betrieb kommerzieller Solarkraftwerke getestet. Die Partner analysieren die jeweils auftretenden Degradations- und Schädigungsmechanismen. Mithilfe der Ergebnisse will das Konsortium die Materialzusammensetzungen optimieren, damit die Komponenten eine höhere Lebensdauer haben. Die nächste Generation von Materialien, hergestellt von den vier beteiligten Materialentwicklungsinstituten, werden dann unter denselben Bedingungen bewertet, um im Vergleich die Lebensdauerverbesserung zu quantifizieren. Schließlich bewertet das RAISELIFE Konsortium mit gängigen Anlagensimulationstools auch den ökonomischen Nutzen der verbesserten Materialien.

© Foto Aus: Sutter et al. 2014.

Rastermikroskopische Aufnahme eines Querschliffs durch einen Korrosionsfleck eines Glas-Solarspiegels – die Silberschicht korrodierte trotz der beiden darüber liegenden Schutzschichten.

Als Energiespeicher und als Wärmetransferflüssigkeit kommen sogenannte Solarsalze zum Einsatz. Das Fraunhofer-Institut für Werkstoffmechanik IWM führt komplexe Korrosionsversuche an Metallen im Kontakt mit den heißen Salzschmelzen durch. An speziellen Prüfanlagen wird die Korrosion unter den Strömungsbedingungen in den Rohrleitungen simuliert. Mittels Langsamzugversuchen (SSRT)  werden Belastungskorrosionstests in einer speziellen Zugprüfmaschine durchgeführt, die mit einem Hochtemperatur-Salztank ausgestattet ist.

Das RAISELIFE Projekt mit einer Laufzeit von 4 Jahren startete am 6. und 7. April offiziell bei einem Kick-Off-Meeting in Brüssel.

 

Kontakt 

Dr. Wulf Pfeiffer
Phone +49 (0)761 5142-166 
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Dr. Johannes Preußner
Telefon +49 761 5142-101
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