Bei Schraubverbindungen mit hochfesten Schrauben (etwa ab Festigkeitsklasse 6.8) können scheinbar unerklärliche, spontane Brüche auftreten, meist zeitverzögert, also nicht direkt nach der Montage, sondern im Einsatz. In solchen Fällen besteht der Verdacht auf Wasserstoffversprödung als Ursache für eine Rissentstehung, die letztlich zum Bruch führt.
Wasserstoffinduzierte Brüche sind von Ermüdungsbrüchen zu unterscheiden, bei denen der Bruch durch die Betriebsbeanspruchung mit wechselnden Lasten verursacht ist, ebenso von Gewaltbrüchen, die durch Überlastung entstehen. Die Wasserstoffversprödung wird in der Regel durch atomaren (nicht molekularen) Wasserstoff verursacht, der im Eisengitter gelöst ist, dort auch bei Raumtemperatur leicht diffundieren kann und eine Versprödung verursacht. Anhand der Bruchflächenmorphologie lässt sich die Wasserstoffversprödung gut von anderen Bruchmechanismen unterscheiden. Wasserstoffinduzierte Brüche verlaufen häufig interkristallin. Oftmals sind Poren und mikroplastischen Verformungslinien („Krähenfüße“) auf den Kornflächen sichtbar.
Fraunhofer-Institut für Werkstoffmechanik IWM