Pulvertechnologie
Fraunhofer-Institut für Werkstoffmechanik IWM
© Fraunhofer IWM
Auf der Basis innovativer Werkstoffmodelle simulieren wir numerisch die Prozessschritte, die bei der Herstellung pulvertechnologischer Bauteile auftreten und optimieren sie mit Hilfe der Ergebnisse. Dadurch verkürzen wir die Entwicklungszeiten bei der Fertigung formgenauer und rissfreier Bauteile und sparen Kosten ein. Das Spektrum der untersuchten Materialien reicht von den üblichen pulvermetallurgischen Werkstoffen wie Sinterstahl und Hartmetall über die technische- und Gebrauchskeramik bis hin zu Pharmapulvern und hochschmelzenden Metallen.
- Leistungen
- Themen
- Publikationen
Leistungen
- Simulation pulvertechnologischer Prozessschritte: Matrizenpressen, Isostatpressen, Foliengießen, Extrudieren, Trocknen, Entbindern, Sintern
- Vorhersage von Bauteilverzügen und lokalen Spannungen gesinterter Teile
- Kopplung zu kompletten Prozessketten (z.B. Füllen – Pressen – Entbindern – Sintern)
- Multiskalensimulation zur virtuellen Prozessoptimierung
- Entwicklung anwendungsspezifischer Werkstoffmodelle
- Simulation granularer Medien (Transport- und Füllvorgänge)
- Simulation komplexer Flüssigkeiten (z.B. keramische Schlicker)
- Anwendung kontinuumsmechanischer (FEM) und diskreter (DEM) Simulationsmethoden
- Bestimmung der Modellparameter
Themen
- Simulation des Pressens und Sinterns
- Vorhersage von Sinterverzügen
- Prozesssimulation und Einsatzverhalten
- Partikelsimulation
- Simulation komplexer Flüssigkeiten
- Modellierung der Mikrostruktur von Metallpulvern
Numerische Simulation des Pressens und Sinterns
Bei der pulvertechnologischen Formgebung von Bauteilen hat sich das Trockenpressen insbesondere aus Kostengründen großtechnisch etabliert und gehört zu den Standardformgebungsverfahren für viele Werkstoffklassen. Dazu gehören Keramiken, Hartmetalle, Sinterstähle, Magnetwerkstoffe und Stoffe der pharmazeutischen Industrie. Aufgrund der immer komplizierter werdenden Bauteilgeometrien werden die Anforderungen an die Presstechnologie immer größer – weshalb der Werkzeugkonstruktion und Auslegung eine Schlüsselfunktion zukommt. Typische Probleme sind Verzüge aufgrund von Gründichtegradienten und Risse nach Ausstoßen oder Brand. Am Fraunhofer IWM wurde eine Simulationsmethode für das Pressen und Sintern von Pulverkörpern entwickelt. Durch Verwendung selbst entwickelter Module für beide Prozesse in Verbindung mit dem FE-Programm ABAQUS sind quantitative Vorhersagen der Gründichteverteilung und der daraus resultierenden Verformung nach dem Sintern möglich. Aktuell wird ein Modell zur direkten Vorhersage von Pressrissen entwickelt. Mit den so geschaffenen Simulationswerkzeugen können Werkzeugformen und Presspläne schon im Vorfeld des Werkzeugbaus optimiert und Vorschläge zur Verbesserung der Fertigteile gemacht werden.
Sintern dünner keramischer Schichten (PDF)
Optimierung einer pulvertechnologisch hergestellten Kühldose durch numerische Simulation. (PDF)
Simulation des Brennprozesses bei der Herstellung von Gebrauchskeramiken. (PDF)
Vorhersage von Sinterverzügen in mehrlagigen keramischen Strukturen
Keramische Mehrlagenstrukturen sind die Basis für zahlreiche Anwendungen wie Sensoren oder mikroelektronische Schaltungen. Dazu werden mehrere mit unterschiedlichen Edelmetallpasten bedruckte Keramikfolien übereinander gestapelt, laminiert und zusammen gesintert. Ein häufiges Problem sind die beim gemeinsamen Sintern auftretenden Verzüge aufgrund der unterschiedlichen Schwindungen. Durch Einsatz detaillierter Sintermodelle und Simulation der teilweise komplex bedruckten Schichtverbünde werden am Fraunhofer IWM die Grundlagen geschaffen, um durch gezielte Material- und Designänderungen den unerwünschten Verzug zu minimieren.
Prozesssimulation und Einsatzverhalten von porösen Werkstoffen
Pulvertechnologisch hergestellte poröse Werkstoffe wie z.B. Sinterstähle weisen charakteristische Eigenschaften auf, deren Beschreibung spezielle Werkstoffmodelle erfordert. Am Fraunhofer IWM wurden entsprechende Modelle auf Basis des Gurson-Modells (Gologanu, Ponte-Castaneda) in das FE-Programm ABAQUS implementiert. Damit können sowohl eigenschaftsoptimierende Prozessschritte wie das Oberflächenverdichten von Zahnrädern als auch das spätere Einsatzverhalten unter Berücksichtigung der lokalen Lebensdauer simuliert werden.
Simulation der Nachverdichtung beim Rollieren eines Zahnrads aus Sinterstahl. (PDF)
Kombinierte Prozess- und Betriebsfestigkeitssimulationen in der Pulvermetallurgie. (PDF)
Partikelsimulation
Zur Simulation von Fertigungsprozessen, bei denen der granulare Charakter des Pulvers dominiert, werden partikelbasierte Simulationsmethoden eingesetzt und weiterentwickelt. Die Diskrete Elemente Methode (DEM) beschreibt die Wechselwirkung und Dynamik einzelner Körner in einem Haufwerk und findet u.a. Verwendung beim Matrizenfüllen, Pressen und Sintern. Weitere Anwendungsgebiete sind Pulvertransportvorgänge mit ihren typischen Problemen wie Agglomeration und Entmischung (Paranuss-Effekt). Insbesondere auf mikroskopischer Ebene ist die DEM ein wichtiges Hilfsmittel, da sie dort exakte Aussagen über den Einfluss von Umordnungseffekten und anisotropen Gefügestrukturen ermöglicht. Partikelbasierte Simulationsmethoden sind als Ergänzung zur kontinuumsmechanischen Prozess- und Bauteilsimulation mittels der Finite Elemente Methode (FEM) zu verstehen. Ihre Verwendung ist insbesondere dann sinnvoll, wenn eine kontinuumsmechanische Beschreibung noch nicht ausgereift ist oder ein vertieftes Verständnis der Mechanismen auf der Mikroskala angestrebt wird.
Simulation komplexer Flüssigkeiten
In vielen pulvertechnologischen Herstellverfahren sind komplexe Flüssigkeiten beteiligt. So setzt sich ein keramischer Schlicker beim Foliengießen aus einem Lösungsmittel, keramischen Partikeln, Dispergator, Binder und Weichmacher zusammen und zeigt ein komplexes viskoses Verhalten. Mit Hilfe der Smoothed-Particle-Hydrodynamics-Methode (SPH) lassen sich solche Flüssigkeiten mit ihrer komplizierten Rheologie problemlos auf Kontinuumsebene beschreiben. Dies und die einfache Berücksichtigung von freien Oberflächen sowie Transportvorgängen sind wesentliche Vorzüge der SPH-Methode gegenüber klassischen, gitterbasierten Computational-Fluid-Dynamics-(CFD)-Verfahren. Durch Simulation des Gießprozesses auf Anlagenebene können so z.B. Gießkasten und Gießrakel optimal auf die gewünschte Produktqualität abgestimmt werden. Eine weitere Anwendung für die SPH bilden Edelmetallpasten beim Siebdruck, die sich durch ihr thixotropes rheologisches Verhalten auszeichnen. Durch den kostensparenden Einsatz der strömungsmechanischen Simulation wurden Pastenrheologie und Benetzungseigenschaften der Sieboberfläche gezielt variiert, um eine optimale Kombination zu bestimmen. Durch Kopplung mit der DEM-Methode können komplexen Flüssigkeiten auch direkt auf Kornebene, d.h. unter vollständiger Berücksichtigung der Mikrostruktur, simuliert werden. Eine Anwendung hierfür ist beispielsweise das Drahtsägen von Siliziumblöcken mittels einer Siliziumcarbid-Suspension.
Simulationsgestütztes Design von mikrofluidischen Systemen. (PDF)
Strömungsmechanische Simulation des Siebdrucks. (PDF)
Solarzellenfertigung: Prozessgrundlagen für den Einsatz dünner Drähte zum Sägen von Siliziumblöcken. (PDF)
SimPARTIX® Partikelbasierte Simulationen für Ihre Anwendungen
SimPARTIX® ist ein innovatives und leistungsstarkes Simulationstool, mit dem die Dynamik von granularen Werkstoffen und komplexen Flüssigkeiten auf Partikelbasis beschrieben wird.
Auf Grundlage physikalisch fundierter Modelle wird mit SimPARTIX® das Verhalten verschiedener Werkstoffklassen in den unterschiedlichsten Herstellungsprozessen untersucht. Durch die detaillierte Auswertung und hochaufgelöste 3D-Visualisierung der Simulationen werden vertiefte Einblicke in die Prozessdynamik erzielt. Damit helfen wir Ihnen, Ihre Herstellungsprozesse besser zu verstehen und gezielt zu optimieren.
Publikationen
Über den Link gelangen Sie zur Seite von Fraunhofer Publica, auf der Sie unsere Veröffentlichungen recherchieren können: Fraunhofer Publica
Liste unserer Veröffentlichungen:
- Wonisch, A.; Polfer, P.; Kraft, T.; Dellert, A.; Heunisch, A.; Roosen, A., A Comprehen-sive Simulation Scheme for Tape Casting: From Flow Behavior to Anisotropy De-velopment, J. Am. Ceram. Soc. 94 (2011) 2053-2060.
- Schmidt, I., Effective viscous sintering parameters for heterogeneous plate-like structures using numerical homogenisation, in Proc. of Applied Mathematics and Mechanics; Wieners, C. (Ed.), WILEYVCH Verlag, Weinheim (2010) 421-422
- Schmidt, I.; Kraft, T., Simulation of the co-sintering of composite structures, International Journal of Materials Research 101/8 (2010) 933-941
- Schmidt, I.; Trondl, A.; Kraft, T.; Wonisch, A., Simulation of the material behaviour of metal powder during compaction, Process Mechanical Engineering 224/3 (2010) 187-194
- Wonisch, A.; Kraft, T., Entwicklung und Anwendung numerischer Simulationsmethoden für den Siebdruck, in: Entwicklung nanotechnologischer Siebbeschichtungen und daran angepasster Pastensysteme für den Fine-Line-Druck von keramischen Schaltungsträgern, D. Schwanke et al. (Ed.), Verlag Detert, Templin, ISBN 978-3-934142-39-8 (2010) 47-63
- Bierwisch, C.; Kraft, T.; Riedel, H.; Moseler, M., Three-dimensional discrete element models for the granular statics and dynamics of powders in cavity filling, J. Mech. Phys. Solids 57 (2009) 10-31.
- Bierwisch, C.; Kraft,T.; Riedel,H.; Moseler, M., Die filling optimization via three-dimensional discrete element modeling, Powder Technology 196 (2009) 169-179.
- Coube, O.; Riedel, H., Numerical Simulation of Metal Powder Die Compaction with Special Consideration of Cracking, Powder Metallurgy 43 (2000) 123-131
- Cocks, A.C.F.; Gethin, D.T.; Häggblad, H.Å.; Kraft, T.; Coube, O., Compaction Models, in: Modelling of Powder Die Compaction, Series: Engineering Materials and Processes, P.R. Brewin, O. Coube, P. Doremus, J.H. Tweed (eds.), Springer, London (2007) 43-64
- Henrich, B.; Wonisch, A.; Kraft, T.; Moseler, M.; Riedel, H., Simulations on the Influence of Rearrangement during Sintering, Acta Mater. 55 (2007) 753-762
- Heinonen, J.; Schmidt, I., An analysis of the stress state in a green part during ejection from the die in Proc. of EuroPM 2009; EPMA, Shrewsbury, UK (2009) 53-54
- Kraft, T.; Riedel, H.; Schwanke, D.; Müller, E., Simulation von Rissbildung und Verzug in der Mikroelektronik, PLUS 7 (2005) 883-886
- Kraft, T.; Riedel, H., Numerical Simulation of Solid State Sintering – Model and Application, J. Europ. Ceram. Soc. 24 (2004) 345-361
- Kraft, T., Optimising Press Tool Shapes by Numerical Simulation of Compaction and Sintering – Application to a Hard Metal Cutting Insert, Modelling Simul. Mater. Sci. Eng. 11 (2003) 381-400
- Kraft, T.; Riedel, H.,Numerical Simulation of Die Compaction and Sintering, Powder Metall. 45 (2002) 227-231
- Kraft, T.; Riedel, H.; Raether, F.; Becker, F., Simulation des Brennprozesses bei der Herstellung von Gebrauchskeramiken, Keramische Zeitschrift 54 (2002) 374-381
- Reiterer, M.; Kraft,T.; Janosovits, U.; Riedel, H., Finite Element Simulation of Cold Isostatic Pressing and Sintering of SiC Components, Ceramics Int. 30 (2004) 177-183.
- Reiterer, M.; Kraft, T.; Riedel, H., Manufacturing of a Gear Wheel Made from Reacti-on Bonded Alumina - Numerical Simulation of the Sinterforming Process, J. Europ. Ceram. Soc. 24 (2004) 239-246.
- Seifert, T.; Schmidt, I., Plastic yielding in cyclically loaded porous materials, Int. J. Plasticity 25 (2009) 2435-2453.
- Wonisch, A.; Kraft, T.; Moseler, M.; Riedel, H., Discrete Element Simulations of Constrained Ceramic Powder Sintering, cfi/Ber. DKG 85, no 13 (2008) 18-23
- Wonisch, A.; Kraft, T.; Moseler, M.; Riedel, H., Effect of different particle size distri-butions on solid-state sintering: A microscopic simulation approach, J. Am. Ceram. Soc. 92 (2009) 1428-1434.
- Wonisch, A.; Guillon, O. Kraft, T.; Moseler, M.; Riedel, H.; Rödel, J., Stress-induced Anisotropic Behavior of Sintering Alumina: Discrete Element Modelling and Experiments, Acta Mater. 55 (2007) 5187-5199
- Yazici, B.A.; Kraft, T.; Riedel, H., Finite Element Modelling of PM Surface Densification Process, Powder Metall. 51 (2008) 211-216







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